Veröffentlicht am 27. Februar 2012 von Karl Weiss
Na, wer hätte das gedacht?
Die ganze Farce mit den griechischen Schulden ist nichts als eine Geschichte der Umverteilung zugunsten der Reichen, sagt Kunibert Raffer in einem bemerkenswerten Artikel in „hintergrund.de“. Raffer, der Wirtschaftswissenschaftler und Universitätsprofessor in Wien und in Argentinien ist und über Internationalen Handel, Internationale Finanzen und Entwicklungshilfe forscht, nimmt sich das ganze Packet der angeblichen Griechenland-Hilfe vor und kommt zum Schluss, es handelt sich einfach um pure Umverteilung zugunsten der Reichen – ja, genau das Paket, das heute im Bundestag beschlossen wurde von der Grossen Vier-Parteien-Koalition aus Union, FDP, SPD und Grünen.
Hier einige Auszüge aus dem Artikel, den wir hier natürlich nicht zur Gänze wiedergeben. Wer interessiert ist, kann ihn hier nachlesen.
„Ökonomisch ist die Sachlage klar: Ein Verhältnis Schulden zu BIP wie in Griechenland ist nicht abtragbar. Als Argentinien 2001 die Zahlungen einstellte, war dieser Wert [dort] fast Maastricht-konform, 63 Prozent. Als IWF-Mitarbeiter im Juli 2001 eine Schuldenreduktion von 15 bis 40 Prozent als notwendig ansahen, lag er bei gut 50 Prozent. Selbst aus Bankkreisen wurde schon im Februar 2010 die Halbierung der griechischen Schulden vorgeschlagen. Dennoch erfolgte ein voller Bail-Out, und die EU verschlimmert die Katastrophe, an deren Entstehen sie durch Tolerieren des griechischen Statistikbetrugs bei Euroeintritt maßgeblich beteiligt war, zu Lasten der Griechen und der eigenen Steuerzahler weiter. Während EU-Bürokraten und offenbar überforderte Politiker vom Schlamassel profitieren, zahlt die Bevölkerung Griechenlands und der „Retterstaaten“ die Zeche.(…)
Absurdeste Behauptungen und Politikentscheidungen zugunsten der Krisenverursacher begleiten Europas Schuldenkrisen: die Insolvenz eines Eurolandes würde den Euro zerstören, oder Insolvenzen der Problemschuldner ließen sich abwenden. Griechenland zeigt mittlerweile klar, dass Letzteres nicht stimmt. (…)
In den USA ist derzeit eine erkleckliche Anzahl von Bundesstaaten mehr oder weniger bankrott – Kalifornien ist nur in Europa am bekanntesten. Sowohl die USA als auch der US-Dollar existieren noch und scheinen dadurch nicht gefährdet. Im Unterschied zur EU übernimmt Washington die Verluste und Probleme der Gläubiger nicht. (…)
Im Fall Griechenlands sofort eine geordnete Insolvenz (zumindest de facto) durchzuführen, wäre angezeigt gewesen. EU-Geld hätte dazu verwendet werden können, das Land bis zur Beruhigung der Kapitalmärkte zu finanzieren. Dies wäre nicht nur besser, sondern auch bedeutend billiger gewesen als der „Schutzschirm“. Spekulanten wäre die Lust an der Spekulation gegen weitere Eurostaaten vergangen. (…)
Werden etwa im Falle des Konkurses eines Gemüseladens die Gläubiger durch staatliche Gelder schadlos gehalten, und ist dort ihre „Beteiligung“ (sprich Forderungsverlust) bestenfalls auf „freiwilliger Basis“ denkbar? Oder müssen diese eben ihren Verlust tragen? Eine lächerliche Frage, die sich ohne die Zumutung des derzeitigen „Schuldenmanagements“ der EU gar nicht stellen könnte.
Wenn also all dies in der gegebenen Form durchgeführt wurde, so waren zwei wesentliche Beweggründe verantwortlich: 1. Man will alle Super-Reichen und die Banken (hinter denen ja weitere Superreiche stehen) möglichst vollständig vor Verlusten schützen, auch wenn sie sich verspekuliert haben – und 2. Man will alle Lasten auf den „kleinen Mannn“ abschieben, denn der kann sich nicht wehren – meinen sie zumindest.
Die Frage steht also, verehrter deutscher Bürger: Wollen Sie das mit sich geschehen lassen oder werden Sie beginnen, sich zu wehren?
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